Wilhelm Salber, einer der bedeutendsten Psychologen unserer Zeit, Begründer der Psychologischen Morphologie, ist tot.

Wilhelm Salber gestorben

Wilhelm Salber, geboren am 9. März 1928, war einer der bedeutendsten deutschen Psychologen. Mit dreißig Jahren habilitierte er sich in Bonn, war Ordinarius in Würzburg und forschte und lehrte schließlich von 1963 bis 1993 als Direktor des Psychologischen Instituts an der Universität zu Köln. Er starb am 2. Dezember 2016 in Köln.

Die wissenschaftlichen Traditionslinien von Goethe und Freud fortführend, entwickelte er aus Untersuchungen zu Alltag, Kunst und Kultur ein neues Fundament der Wissenschaften: Psychologische Morphologie. Zu den wichtigsten und einflussreichsten Werken Wilhelm Salbers gehören: Morphologie des seelischen Geschehens (1965), Wirkungseinheiten (1969), Kunst-Psychologie-Behandlung (1977), Der Alltag ist nicht grau (1989) und Seelenrevolution (1993). Sie führten zu bedeutenden Paradigmenwechseln in Wirtschafts- und Produktpsychologie, in Wirkungsforschung, Film- und Kunstanalyse sowie Psychotherapie.

Salber war bis ins hohe Alter als Psychologe und Publizist tätig. Seine kulturpsychologischen Analysen öffneten einen neuen Blick auf die Kernprobleme unserer Gesellschaft in den Zwängen der Globalisierung. Erst kürzlich erschien von ihm Lachgeschichte (2016), eine historisch-psychologische Studie zu dem Zusammenhang von Lachen und Seele.

Auf seinem eigenständigen Weg überschritt Wilhelm Salber manche Grenze der akademischen Psychologie. Das amerikanische Standardwerk „German Essay on Psychology“ aus dem Jahr 2001 zählt ihn - zusammen mit Ludwig Binswanger, Karl Jaspers, Alexander Mitscherlich und Erwin Straus - zu den Ikonoklasten (Bilderstürmern) der deutschen Psychologie.